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Wirtschaft anders denken.

Walter Koppe

Vortrag: Wirtschaft anders denken

Auf Einladung des Linken Kreisverbandes Erding/Ebersberg referierte die Politikwissenschaftlerin und Autorin Alrun Vogt über die Mechanismen und Hintergründe unseres Geld- und Wirtschaftssystem – vor guter Kulisse. Immerhin waren deutlich über 20 Personen ins Obergeschoss im Café Mocca in der Grafinger Stadtmitte gekommen.

Anhand historischer wie aktueller Beispiele machte Vogt wesentliche Schwachpunkte kapitalistischen Denkens, etwa von Zins und Zinseszins anschaulich. Alleine aufgrund mathematischer Berechnungen könne dieses System auf längere Zeit betrachtet nicht funktionieren. Hätte man zu Christi Geburt einen einzigen Cent bei üblichen Zinseszinsen angelegt, würde der Wert heute 28 Milliarden Erdkugeln an Gold betragen (https://de.wikipedia.org/wiki/Josephspfennig).
Aktuell zeigt der niedrige Zins die Grenzen des Effekts. Denn dieser könne nur funktionieren, solange irgendjemand auch die Rendite erwirtschafte, Arbeiter und Unternehmen also genug Gewinne schafften. Während der Arbeiter bis vor kurzem immerhin noch vom Lohn existieren konnte, und der Reichtum der anderen trotzdem vermehrt werden konnte, hat sich der Reichtum der Wenigen inzwischen von der Realwirtschaft derart entfernt, dass Milliardäre ihr Vermögen kaum mehr konsumieren könnten; anstatt es in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen, um Waren und Dienstleistungen zu produzieren, würde deren Reichtum immer mehr gehortet – ohne wirtschaftlichen Nutzen würde der Anteil der Löhne am Gesamtkapitalanteil stetig schrumpfen.

Alrun Vogt stellte im zweiten Teil ihres Vortrags wirtschaftspolitische Alternativmodelle vor. Weil das mittelalterliche „Brakteatengeld“ aufgrund brüchigen Silberblechs und begrenzter Gültigkeit an Wert verlor, wurden Menschen zum möglichst raschen Geld ausgeben gezwungen, was aufgrund der steigenden Umlaufgeschwindigkeit Handel und Kunsthandwerk förderte. Ein Wirtschaftswunder inmitten der Weltwirtschaftskrise schaffte Wörgl in den 1930er Jahren (http://www.zeit.de/2010/52/Woergl), in dem es ein eignes Währungssystem einführte, das ebenfalls aufgrund des Anstiegs von Geldfluss Handel, Wirtschaft und Arbeit beförderte. Das Experiment wurde erst beendet, als die Nationalbank ihre Einflüsse in Gefahr sah.

Im Kreis der Besucher wurden weitere Alternativ- und Regionalwährungen wie etwa den Chiemgauer, aber auch sozialistische Wirtschaftsmodelle diskutiert. In wie weit hatte sich Marx mit dem Thema auseinandergesetzt? Eine Fortsetzung, etwa auch in Richtung Entwicklung des Arbeits- und Sozialsystems bei gleichzeitigem Automatisierungs- und Rationalisierungsdruck könnte folgen.


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